holger zientek-30  - Arbeiter in der Schule

Als Lehrer aggiere ich auf verschiedenen Ebenen. Das Kerngeschäft ist mein Unterricht an der Vicco-von-Bülow Oberschule Vienenburg. Hier bin ich als Fachlehrer vornehmlich in den Fächern Wirtschaft, Physik, Kunst, Deutsch und Werken eingesetzt. Als Klassenlehrer betreue ich nun den vierten Durchgang einer Berufsstarterklasse ab Klasse 8 mit bis zu 15 Schülern und Schülerinnen. Die Schüler der Berufsstarterklasse machen an 2 Tagen pro Woche ein Praktikum und an 3 Tagen pro Woche besuchen sie die Schule. Durch die wöchentlichen Praktika sollen die Schüler und Schülerinnen motiviert werden, ihre beruflichen Kompetenzen zu entdecken, lernen Berufswelt und Freizeit mit einander abzustimmen und damit berufswahlreif zu werden. Die SuS sollen ihre eher unterdurchschnittlichen schulischen Leistungen aufbessern, um a) über den Hauptschulabschluss deutlich zu machen, dass sie sich durch ihre Leistungen in ausbildungsrelevanten und Lebensbereichen für eine Ausbildung empfehlen und b) durch die langfristigen Praktika in den Praktikumsbetrieben zu zeigen, dass sie ausbildungsreif sind, ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und ihr Interesse zum Beruf und dem Betrieb passen. Ein weitres Ziel ist es, sich für einen Ausbildungsvertrag zu empfehlen. Dieses Projekt wird vom Landkreis Goslar gefördert und finanziert. Die Berufsstarterklassen werden von der Berufsstartbegleiterin Frau Langer, die beim Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) angestellt ist, in Vollzeitbetreut betreut. Die Betreuung und die jahrelange Erfahrung von Frau Langer bilden eine feste Größe in diesem im LK Goslar einmaligen Projekt.

Über die Unterrichtstätigkeit hinaus bin ich von der Niedersächsischen Landesschulbehörde Abt. Braunschweig als Fachberater für Berufsorientierung für die Schulen im Sekundarbereich I (außer Gymnasium und Gesamtschule) für den Landkreis Goslar beauftragt. Meine Aufgabe ist es dabei, Schulen sowie Kolleginnen und Kollegen im Bereich Berufs- und Studienorientierung und Übergang Schule/Ausbildung zu beraten. Weiter bin ich Ansprechpartner für den Bereich Berufs- und Studienorientierung gegenüber der Verwaltung von Stadt und Landkreis Goslar, der Politik und der regionalen Wirtschaft im Landkreis Goslar. Ergänzend sehe ich dabei meine ehrenamtliche Tätigkeit als Leiter des Berufs- und Studienorientierungsnetzwerkes SCHULEWIRTSCHAFT Arbeitskreis Goslar/Harz für den Landkreis Goslar. Die Vernetzung von Schule und Wirtschaft steht dabei im Vordergrund und hat zum Ziel, die beiderseitigen Erwartungen und Wünsche von Schule als Zubringer für die Berufsausbildung und Wirtschaft als Anbieter für die Berufsausbildung abzugleichen und aufeinander zuzuführen.  Ausbildungsreife und Berufswahlreife sind hier die Kompetenzen, die im Bereich Schule oberste Förderpriorität haben sollten. Wirtschaft sollte eindeutig ihre Erwartungen gegenüber Schule formulieren und in die Schule hineintragen, damit eine sachgerechte Berufsausbildung auf einer der Ausbildung angemessenen Grundlage des Könnens und Wissens  der Schülerinnen und Schüler durchgeführt werden kann. Unterstützt werde ich bei meiner Arbeitskreisarbeit vom Industrieverein und der IHK Goslar insbesondere von Frau Petra Seidel. Die überregionale Arbeit in der Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT (LAG) und der Bundesarbeitsgemeinschaft  SCHULEWIRTSCHAFT (BUAG) geben mir dabei wichtige Impulse und helfen eine Vernetzung über den Landkreis Goslar hinaus herzustellen. Im Mai 2016 bin ich mit großer Mehrheit zum ehrenamtlichen Vorsitzenden SCHULE des Netzwerkes SCHULEWIRTSCHAFT Niedersachsen in Hannover gewählt worden.

Über diese Verbindungen hinaus bin ich über die REGION DES LERNENS, das ÜBERGANGSMANAGEMENT SCHULE/BERUF mit dem AUSBILDUNGSNETZ38 des Landkreises Goslar, den Arbeitskreis Zukunftstag im Landkreis Goslar und  verschiedenen Kontakten zur Stadt- und Landkreispolitik vernetzt.

Ein Thema, das auf der Ebene Schule, Ausbildung und Beruf eine neue wichtige Bedeutung bekommt, ist die INKLUSION. Dies bedeutet, junge Menschen mit Handikap so in den Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitsprozess zu integrieren, dass sie selbstbestimmt und mit einem ungebrochenem Selbstwertgefühl ein normales Leben mitten in unserer Gesellschaft und in unserem Staat führen können. Schulisch sind hier per Gesetz bereits Grundlagen gelegt. Inklusion aber in den Köpfen zu verankern und zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen, muss das Ziel der nächsten Jahre sein. Wichtig dabei ist es aber, geduldig alle an diesem Prozess Beteiligten mitzunehmen und auch die gesellschaftspolitischen Verantwortungen aller Beteiligten nicht nur der Bildungsvertreter sondern auch der Wirtschaftsvertreter so zu entwickeln, dass Inkusion zu einer Maxime wird, die keiner gesetzlichen Vorschrift bedarf. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" und gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Teilhabe müssen  in allen Lebens- und Bildungsbereichen und für alle Mitglieder der Gesellschaft auch in einer kapitalistisch ausgerichteten Arbeitswelt uneingeschränkt gelten. Soziale Marktwirtschaft sollte daher lebbar für alle Beteiligten sein.

Eine jeweils einwöchige Studienreise nach Dänemark im Herbst 2013, nach Finnland im Herbst 2014, nach Spanien 2016 und Griechenland im Herbst 2017 unter dem Thema Inklusion und Berufsausbildung haben mir viele neue Antworten aber auch neue Fragen zum Thema Inklusion gebracht. Hierbei wurde deutlich, dass eine historisch gewachsene Haltung zu Arbeit und Gesellschaft eine wesentliche Grundlage im Umgang mit dem Thema Inklusion darstellt. Die Frage, die mich dabei beschäftigt, ist, in wie weit man überkommene historisch verhärtete Einstellungen (, die aus dem preußischen Bildungsbegriff abgeleitet sind,) zum Thema Bildung in einer Gesellschaft politisch verändern und von wo aus und wie dieser Prozess ausgelöst und gesteuert werden kann. Ist das förderalistische System in Deutschland nicht ein Bremsklotz auf dem Weg zu einer auch inklusiven Bildung bzw. inklusiven Gesellschaft? Die Lösung dieser Frage, wird mich auf der schulischen wie auch politischen Ebene meiner Arbeit weiter sehr beschäftigen. So werde ich meine Erfahrungen zum Thema Inklusion und Berufsorientierung im Herbst 2017 mit einer Bildungsreise Griechenland erweitern.  Um eine Lösung dieser Frage wird unsere deutsche Gesellschaft aber nicht herumkommen, will sie den zukünftigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen auch im europäischen aber auch globalen Kontext Rechnung tragen. Ansätze dazu sind da, sie müssen nur breit kommuniziert und von unten nach oben umgesetzt und gelebt werden.